Einweihung - Der erste Schritt





Eine Einweihung ist ein Prozess mit einer vielschichtigen Bedeutung. Oftmals wird die Initiation als Einweihung in uralte und dunkle Geheimnisse und lange tradierte Überlieferungen eines Ordens beschrieben und verstanden und so werden mit diesem Schritt viele Geheimnisse verbunden.
Doch letzten Endes ist die Einweihung, losgelöst von allem romantischen Gedöns, ein Versprechen, welches der Initiand sich selbst und der Gruppe oder dem Orden, in die dieser um Aufnahme ersucht, geben und dieses unter allen Umständen einhalten muss. Dieses Versprechen ist von hoher Bedeutung und kommt in seiner Relevanz einem Eid gleich. Einem Eid des Individuums, sich selbst treu zu bleiben, Wachstum zu erlangen sowie auch die Abläufe innerhalb der Bruderschaft und die sich daraus eventuell ergebenden Gesetzmäßigkeiten zu respektieren und auch jedem seiner Mitbrüder oder Schwestern denselben Respekt entgegenzubringen, den der Initiand auch für sich erwarten und einfordern darf.
Zudem ist zu beachten, dass die Materialien des Ordens nicht in fremde Hände gelangen dürfen und über die Identitäten der jeweiligen Mitglieder ist ebenso strengstes Stillschweigen zu bewahren. Der Ordo Templi Luciferi ist zwar keine Geheimloge, doch achtet er die Identität jedes Einzelnen und legt Wert auf Diskretion. Über den Ablauf der Initiation als solche kann und soll nichts gesagt werden, denn die Initiation soll für den Einzuweihenden ein sehr intensives und persönliches Ritual darstellen.
Im Regelfall erfährt man im Leben nicht allzu viele Initiationen, es sei denn, man betreibt hinsichtlich Ordensmitgliedschaften Vereinsmeierei. Innerhalb des Ordo Templi Luciferi ist es aber kein Problem, noch einer weiteren Bruderschaft anzugehören, denn dieses kann sich für die Arbeit innerhalb des Ordens durchaus befruchtend auswirken, sofern es gewährleistet ist, dass eine magische Arbeit dadurch nicht erschwert wird, denn die Tage haben auch für einen Magier leider nur 24 Stunden. Wenn jemand dem Ordo Templi Luciferi beitritt, dann gibt er nicht seine Persönlichkeit an der Garderobe ab. Vielmehr ist es beabsichtigt, dem neuen Mitglied eine Basis für inneres Wachstum zu schaffen, denn die Magie des Ordo Templi Luciferi ist vor allem als Schwarze Alchimie zu verstehen. Wir alle sind bestrebt, den noch unbehauenen Stein und damit unser Selbst weiter zu einem persönlichen Heiligtum, zu unserem Tempel zu veredeln. Auf diesem Weg hin zu einer gewachsenen und ganzheitlicheren Persönlichkeit bedienen wir uns des luciferisch-gnostischen Weges, denn Lucifer besitzt als zentrale Entität dieses Ordens prometheischen Charakter, da er die dunkle Flamme der Erleuchtung repräsentiert. Innerhalb des Ordens ist es durchaus erwünscht, Kontakte zu pflegen und aufrechtzuerhalten, denn solange man ein überschaubarer Kreis ist, hat ein persönlicher Kontakt viele Vorzüge.
Es ist auch ratsam für den Einzelnen, wenn Kontakte zu Menschen gepflegt werden, die nichts mit Magie zu tun haben, denn auf diese Weise erfährt man auch wieder eine für die magische Arbeit notwendige Erdung und Distanz. Wir alle sind freundschaftlich verbunden und finden dieses als wichtige Voraussetzung für das Gemeinwohl, denn bei aller magischen Intention sind wir doch auch recht gesellige Wesen. Menschlich, allzu menschlich würde Nietzsche dazu wohl sagen. Aufgrund unserer relativen Größe ist es auch gewünscht, dass die Mitglieder bei den jeweiligen Treffen anwesend sind, soweit keine privaten oder beruflichen Verpflichtungen einem Treffen entgegenstehen. Der Orden achtet auch bei jeder neuen Initiation darauf, ob das potentielle neue Mitglied sich auch in den Orden integrieren kann und so zu uns passt, denn wir wollen uns nicht auf Kosten der Einbuße der persönlichen Atmosphäre wahllos vergrößern, sondern qualitativ Wachstum erlangen.
In den Unterlagen, die jedes neue Mitglied erhält, befinden sich neben dem Liber Tenebrarum, dem Buch der Rituale, noch ein weiteres Werk mit den Statuten des Ordens und dessen Werdegang und Entstehungsgeschichte. In dieses Werk ist eine Art Schulungsplan, das Liber 131, integriert, der aber nicht verbindlich ist. Dieses Liber 131 soll lediglich eine Empfehlung darstellen und kann aber auch abgeändert werden. Es stellt damit keine unumstößliche Richtlinie dar, obwohl man diesem Schulungsplan idealer weise durchaus Beachtung schenken sollte, denn er kann doch eine sehr nützliche Hilfestellung sein, wenn man seine eigene Magie entwerfen will. Magie muss einem passen wie ein Maßanzug. Erst dann ist sie wirklich wirkungsvoll. Ein «Meister» gelangt erst dann zur wahren Meisterschaft, wenn er seine persönliche Magie geschaffen hat und sich davon gelöst, alle anderen Ritualanleitungen und dergleichen sklavisch zu befolgen. All das was man nachmacht, kann nie richtige Wirkung entfalten, da es sich immer um die Ansichten von anderen handelt und um das Ergebnis deren Arbeit. Doch ist es ein wichtiger und richtiger Schritt, dies eine Zeitlang zu betreiben, um seine eigenen Erfahrungen zu machen und Kenntnisse zu erwerben.
Doch wird sich spätestens dann, wenn es darum geht, einem Mitglied einen höheren Grad zuzuerkennen, es sich ohnehin herausstellen, ob er die Empfehlungen umgesetzt hat. Begehrt ein Mitglied die Erhebung in den höheren Grad, so ist die Befähigung hierfür nachzuweisen, indem das Mitglied eine schriftliche Arbeit vorlegt, die mit diesem Grad in Zusammenhang steht und ein Ritual auf selbständiger Basis erarbeitet, das idealer Weise ebenfalls mit diesem Grad in Verbindung korreliert. Diese Arbeiten sollen das Ergebnis des bisherigen magischen Werdegangs und der hieraus gewonnenen Erkenntnisse repräsentieren. Dem jeweiligen Probanden ist es natürlich gestattet, sich bei eventuellen Fragen an seinen persönlichen Mentor zu wenden und hierfür werden keine weiteren Kosten und Gebühren erhoben, denn der Ordo Templi Luciferi ist kein kommerzieller Verbund, sondern arbeitet kostendeckend und ist daher nicht gewinnorientiert. Auf diese Weise ist das Mitglied ständig gefordert und damit ist auch kontinuierliches persönliches und nicht zuletzt auch magisches Wachstum gewährleistet. Innerhalb des Ordens ist die Anrede während eines Rituals Bruder/Schwester für all jene, die noch nicht den dritten Grad erreicht haben. Erst die Verleihung der Fraterwürde ist die endgültige Aufnahme innerhalb des Ordens.
Die Erreichung des nächst höheren Grades ist naturgemäß auch immer davon abhängig, ob der jeweilige Bewerber sich in den Orden einbringt und auch bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, denn Verantwortung beziehungsweise die Bereitschaft hierzu bedingt Disziplin. Disziplin ist vor allem auch im magischen Leben ein oft vernachlässigter Punkt. Aber Disziplin und die notwendige Härte zu sich selbst sorgt auch für die unerlässliche Erdung. Aber das vielleicht Wichtigste ist, dass der Initiand sich darüber im Klaren sein muss, dass die Initiation kein einmaliges Ritual ist, sondern dass die Initiation ein ewig währender Prozess ist und die durch den Ordo Templi Luciferi durchgeführte Initiation nur der erste Schritt ist, diesen Prozess des Werdens in Gang zu setzen. Die wahre Initiation aber hat bereits im jeweiligen Individuum stattgefunden mit der Entscheidung, diesen Weg zu wählen.

Luciferischer Gruß



LaShTal NHSH 3.8.4